Was gesagt wurde…

«Eine aussergewöhnliche Fundstelle, zu der es nur wenige Parallelen gibt.» Thomas Doppler, Aargauer Kantonsarchäologe; «Es ist eine verpasste Chance» Ruth Wiederkehr, Historikerin (Tagesanzeiger 13.10.20)

«Her mit dem Römerbad!»

Maja Wanner, ehemalige FDP-Grossrätin in einem Leserbrief in der AZ

Kein Bagger reisst hier einfach so eine Schneise.

Thomas Doppler, Kantonsarchäologe (Aargauer Zeitung vom 15. September 2020)

[…] Die bei den Grabungsarbeiten angetroffenen Funde bestätigen die überregionale, kulturhistorische Bedeutung der Bäder. Ein sorgsamer Umgang mit dem kulturellen Erbe zu dessen langfristigem Erhalt ist ebenso wichtig wie eine sorgfältige Dokumentation für eine anhaltende Vermittlung. […]

Um das Kulturerbe bestmöglich zu bewahren, erfolgen die archäologischen Untersuchungen nur in jenen Bereichen, in welchen gemäss der definitiven Planung Bodeneingriffe stattfinden. Die Beteiligten prüfen dafür in enger Absprache laufend, ob und wie weitere Anpassungen von Leitungsverläufen an die jeweils aktuellen Gegebenheiten möglich sind. Auf vorgängige archäologische Untersuchungen wurde einerseits zum Schutz von erhaltenen Hinterlassenschaften und andererseits zur Gewährleistung der Quartier- und Baustellenerschliessung verzichtet. Das Vorgehen der Kantonsarchäologie beschränkt sich auf baubegleitende
Massnahmen und punktuelle Detailuntersuchungen mit dem Ziel einer möglichst sorgfältigen und umfassenden Dokumentation, die als Grundlage für spätere Vermittlungstätigkeiten dienen kann.
Stadt Baden (Medienmitteilung, 27. August 2020)

Sensationsfund: Unbekanntes, römisches Badebecken kommt bei Bauarbeiten zum Vorschein

Aargauer Zeitung (29. Mai 2020)


Sichtbares Römisches Bad: […] Wir sind überzeugt, dass das Sichtbarmachen eines Fundes dieser Bedeutung eine ausgezeichnete Marketingmassnahme wäre. Dies erfordert aber schnelles Handeln. […]
Mark Füllemann und Stephan Jaecklin (Dringliche Anfrage an den Stadtrat, 1. Juni 2020)

Ich versuche den Menschen in Baden immer wieder klar zu machen, dass unsere Stadt in der europäischen, ja weltweiten Bädergeschichte der allerhöchsten Liga angehört. Wir sind in der Champions League, zusammen beispielsweise mit Baden-Baden oder Bath in England. Nur leider ist das vielen nicht bewusst. Wir Badener sind viel zu wenig stolz auf unser enormes Kulturerbe.

Bruno Meier, Historiker (AZ vom 6. Juni 2020)

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Sorge um Kulturerbe in Baden
Manchmal hat man die Möglichkeit, eine Zeitreise zu machen. So mein Grossvater. Er ging in den Jahren 1967/68 öfter über den Kurplatz, der gerade «offen» war und blickte in die Tiefe und somit über zwei Jahrtausende in die Vergangenheit. Ob er das Verena- oder das Freibad, ja, vielleicht das Isis-Heiligtum sah, weiss ich freilich nicht. Mir ist aber bewusst, dass damals so einiges an beweglichem Kulturgut zum Vorschein kam und an Passanten verteilt wurde. Ein gesamthaftes Bild dessen, was unter den Platz war, verschaffte man sich nicht – zumindest nicht nachhaltig.
Heute schütteln wir den Kopf und denken: Warum haben die das alles nicht besser dokumentiert, bevor sie die Rohre quer durch die Mauern bohrten? Warum haben sie Münzen und Scherben einfach verteilt? Was genau haben sie rückgebaut und zerstört? Seit 1968 sind mehr als fünf Jahrzehnte vergangen. Gut, haben wir heute ein kantonales Kulturgesetz, das den Schutz und Erhalt archäologischer Hinterlassenschaften vorschreibt und schön, gibt es beispielsweise nationale Leitsätze zur Denkmalpflege in der Schweiz.
Am besten geht es kulturellem Erbe unter der Erde. Das ist klar. Manchmal müssen solche Hinterlassenschaften beim Bau allerdings zerstört werden. Dann ist eine wissenschaftliche Untersuchung zwingend vorzulagern, sagt das Gesetz. So ist Forschung möglich, so wissen die Nachgeborenen, was unter dem Boden gefunden wurde. Wenn man nur einzelne weggeräumte Mauern dokumentiert, wird man womöglich nie verstehen, wie das Ganze unter dem Boden zusammengehängt hat.
In diesen Tagen kurve ich mit meinem Fahrrad oft über den Kurplatz und bleibe – so wie viele Menschen – an der Grube stehen, blicke durch eine Kulturschicht auf römischen Untergrund. Eine Zeitreise: Ich stelle mir das Treiben im Verenabad und auf dem Platz daneben vor. Gleichzeitig wundere ich mich aber über die Bagger und frage mich ernsthaft, wie man im Jahr 2020 Leitungen ohne die Zerstörung der römischen und mittelalterlichen Mauern, die notabene nicht wissenschaftlich dokumentiert sind, einbauen will. Ich runzle die Stirn und frage mich, warum dazu jede öffentliche Diskussion nach wenigen Wochen wieder einschläft.Das Badener Kulturerbe unter dem Kurplatz ist von höchster Güte. Es ist ein einzigartiger Beleg für die Nutzungskontinuität von der Antike bis ins Mittelalter. Ich wünschte mir diesen Ort wissenschaftlich dokumentiert, aufgearbeitet und öffentlich diskutiert. Denn ich fürchte, dass eine Zeitreise, wie sie mein Grossvater und ich erleben durften, für eine nächste Generation nicht mehr möglich sein wird. Gleichzeitig versuche ich meine Furcht mit dem Text des Kulturgesetzes zu beruhigen: Es schreibt vor, dass der Untergrund des Badener Kurplatzes nicht zerstört werden darf – und wenn, dann nur mit einer aufschlussreichen Dokumentation. Bisher wurden schliesslich Millionen Franken für Grabungen in den Bädern ausgegeben.
Die Medienmitteilung der Stadt Baden vom 27. August berichtet davon, dass man mit Rücksicht auf die Baustelle keine archäologischen Voruntersuchungen gemacht habe. Man prüfe nun in der Bauphase laufend, ob beim Verlegen der Leitungen Anpassungen vorgenommen werden müssen. Dieses Vorgehen erscheint mir heikel, weil fehleranfällig. Denn wer im Kurplatz baut, stösst täglich auf archäologische Überraschungen. Täglich müssen folglich unter Zeitdruck kritische Entscheidungen hinsichtlich des Kulturerbes getroffen werden. Eine Dokumentation erfolgt im Falle von Zerstörung in Bezug auf das Ensemble lückenhaft und im Eiltempo. Das ist enorm anspruchsvoll für die Menschen, die direkt auf der Baustelle arbeiten. Ich hoffe, dass das Gesetz eingehalten wird und dass die Zuständigen nicht zugunsten eines Zeitplans oder aus Furcht vor Kosten dagegen verstossen.
Die nächste Generation ist hoffentlich klüger und wird bei einer nächsten «Öffnung» des Platzes eine vorgängige wissenschaftliche Untersuchung einplanen.

Ruth Wiederkehr, Germanistin und Historikerin, Autorin Stadtgeschichte Baden, Mitglied Vorstand Historische Gesellschaft Aargau (Brief an die Medien, 30. August 2020)

Meine Wunschlösung wäre, dass alle Gäste, die nach Baden kommen, hier an diesem einzigartigen Becken stehen könnten und das anschauen könnten – nicht nur auf einer Visualisierung oder einem Bildschirm, sondern wirklich hier live.

Markus Schneider, Stadtammann Baden (Tele M1 Aktuell vom 21. Juni 2020)
Kantonsarchäologie Kanton Aargau

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