Geschichte

Kurplatz um 1800, im Vordergrund Verenabad, im Hintergrund Freibad und Hotel Raben (zuletzt Schweizerhof), rechts Hotel Blume. In der Bildmitte der kleine und grosse Heisse Stein über den darunter liegenden Quellen, überhöht als Sitzmöglichkeit. Heute liegt die Steinplatte verkehrsgerecht im Asphalt versenkt. (Quelle: Stadtarchiv Baden)

Auf dem heutigen Kurplatz betrieb die Stadt Baden bis 1840 die beiden offenen ca 1.80m tief im Platz eingelassenen Thermalbecken, das Frei- und St. Verenabad. Eingerichtet waren sie – wie sich seit Sommer 2020 belegen lässt – in ursprünglich römischen Bassins. Als öffentliche Gemeinschaftsbäder waren das Verena- und Freibad der einfachen Bevölkerung und Laufkundschaft vorbehalten, denen der Zugang zu den feinen Bäderhotels und Badehöfen verwehrt blieb. Während für das einfache Volk und die Armen zumeist körperliche Leiden Anlass zu einer Badenfahrt waren, schwelgte die Oberschicht aus aller Welt stets in den privaten Bäderhöfen der frivolen Heiterkeit.

Eine Modernisierungswelle Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte Badens Bäderviertel noch einmal zum international beachteten Kurort, liess aber die öffentlichen Bäder unter freiem Himmel endgültig verschwinden. Nur Otto Glaus‘ 1964 eröffnetes und 2012 verlottert wieder geschlossenes Thermalhallenbad vermochte dem Wunsch nach einem öffentlichen Thermalbad noch einmal zu entsprechen.

Poggio Bracciolini, der Humanist und bekennende Republikaner im Dienst der römischen Kurie, beschreibt 1416 im siebenseitigen Brief an seine Florentiner Freunde wie „vor aller Augen auf beiden Seiten des Platzes, die Badebecken der Menge und des gewöhnlichen Volkes (liegen), in die Frauen und Männer, junge Burschen und unverheiratete Mädchen und der ganze Bodensatz der Herumtreiber hinabsteigen“. In den von der Natur gespendeten Reichtum. Bracciolini macht es Spass, dem herrlichen Schauspiel zuzusehen und er erkennt darin nichts, was an eine soziale Privilegierung gebunden wäre. Ja, in Baden darf gebadet werden!

Karte: Anonymer Plan ca. 1732 mit Frei- und Verenabad auf dem Kurplatz (Quelle: Stadtarchiv Baden)

Weitere Informationen finden sich auf der Website der Kantonsarchäologie:

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